Östrogene in Plastik, Nahrungsmitteln und Kosmetik

Endokrine Disruptoren heißen sie, die hormonell wirksamen Chemikalien, die uns überall umgeben. In diesem Artikel beschreibe ich, was das ist, warum es schadet und wie man diese künstlichen Hormone vermeiden kann.

Warum werden eigentlich heute so viele Paare als „unfruchtbar“ diagnostiziert. Nahezu 25 % sind die Schätzungen der Experten. Sicherlich ist es eine Kombination aus Ursachen, die wir noch nicht vollständig überblicken. Das höhere Alter der Männer und Frauen spielt eine Rolle: Die meisten Frauen wollen nicht vor 30 Kinder bekommen, vor allem die aus der Mittelschicht und gehobenen Mittelschicht, denn in ihren 20ern sind sie mit Studium und den ersten wichtigen Karriere-Schritten beschäftigt. Ab 30 sinkt aber die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass eine Frau innerhalb weniger Zyklen schwanger wird.

Hinzu kommt die oft jahrelange Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln, die nicht nur eine nachweislich negative Auswirkung auf die Gesundheit hat, sondern auch im endokrinen System (das für das Gleichgewicht der Hormone verantwortlich ist) deutliche Spuren hinterlässt. Häufig leiden Frauen nach dem Absetzen an dem sogenannten Post-Pill-Syndrom, das einem Polycystischen Ovarsyndrom ähnelt. D.h. die Zyklen sind unregelmäßig häufig viel zu lang und es findet kein regelmäßiger Eisprung statt.

Endokrine Disruptoren stören den Hormonhaushalt

Eine weitere nicht zu unterschätzende Ursache sind aber auch die sogenannten Endokrinen Disruptoren oder Xenoöstrogene wirken sich negativ auf die Fortpflanzungsorgane von Frauen und Männern aus. Welche Wirkung sie ganz genau im weiblichen Körper entfalten, ist noch nicht vollständig erforscht, klar ist aber dass sie die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Bei Männern kann man die Wirkung direkt an den Spermien testen – sie werden langsamer oder verausgaben sich zu früh. Klar und in Studien nachgewiesen ist unter anderem auch, dass Frauen, die mit chemischen Spritzmitteln arbeiten, z.B. in Gärtnereien, mehrere Wochen nach Ausbringen der Spritzmittel (Herbizide, Pestizide) unfruchtbar waren. Dass sich die hormonähnlichen Wirkstoffe auch viele andere gesundheitliche Risiken (nicht nur für uns Menschen) bergen ist längst bekannt.

In einem Übersichtsartikel der Endorinen Gesellschaft heißt es:“Epidemiologische Studien finden einen Zusammenhang zwischen
ED(endokrinen Disruptoren) und Veränderungen in der Reproduktion, Neuralentwicklung und Neuralverhalten, Metabolismus, Knochenbau, Immunantwort sowie zu Krebsentwicklung im Menschen.
Tierstudien hingegen zeigen eine Assoziation mit weiteren Gesundheitsaspekten: Asthma, (Lern-) Verhalten, Pubertätsbeginn, Infertilität, Brust- und Prostatakrebs, Parkinson, Fettleibigkeit etc.“ (Endocrine Disruptors: Past Lessons and Future Directions ; 19. Juli 2016, http://press.endocrine.org/doi/abs/10.1210/me.2016-1096#sthash.CMRWUEe5.dpuf zuletzt abgerufen am 28.Juli 2016.)

Was sind Endokrine Disruptoren?

Eigentlich entdeckt die Forschung immer wieder neue Chemikalien, die auf den Hormonhaushalt wirken. Die bekannten Endokrinen Disruptoren sind vor allem

  • Bisphenol A (BPA), ein Weichmacher in Plastik aber auch auf Kassenzetteln
  • Phtalate, in Plastik und in Duftstoffen
  • Blei, Quecksilber und Cadmium, im Trinkwasser, in der Luft, in Zahnfüllungen
  • Atracin, DDT, und andere Spritzmittel in Konventionell angebautem Gemüse und Getreide
  • Glyphosat (Round up), steht ebenfalls im Verdacht, sich negativ auf den Hormonhaushalt auszuwirken

Minimieren, verzichten, weglassen – für die Fruchtbarkeit und die Gesundheit

Gibt es denn keine gesetzlichen Regelungen dazu? Ja und Nein, zu wenige. In Babyflaschen ist BPA (Weichmacher von Plastik) inzwischen verboten. Aber weil die Mengen, die in den menschlichen Körper gelangen in der Regel gering sind, scheint die Politik keinen Handlungsbedarf zu sehen. Wissenschaftlich ist aber klar, auch kleine Mengen der hormonell wirksamen Stoffe schaden, indem sie sich im Körper addieren. Da kommt der Weichmacher aus der Plastikverpackung oder -Flasche zu den Kosmetik-Artikeln und den Ausdünstungen aus Plastik, Lacken, Farben und anderen Kunststoffen in der Wohnung und ergibt so einen wirksamen Cocktail.

Wer seiner Gesundheit und vor allem der Fruchtbarkeit Gutes tun will, vermeidet diese Stoffe so weit wie möglich. Das Gute daran: Auch die Gesundheit des Babys wird gefördert, denn gerade auf ungeborene Babys scheinen die endokrinen Disruptoren besondere Auswirkungen zu haben. Die wichtigsten und einfachsten Maßnahmen sind:

  • Gefiltertes Wasser aus Glasgefäßen trinken
  • Plastikflaschen, Plastikverpackungen und Plastikgeschirr meiden
  • Bio-Essen (ohne Chemie angebaut). Dabei ist Supermarkt-Bio oft in Plastik verpackt also in den Bioladen oder auf den Markt gehen.
  • Zertifizierte Naturkosmetik
  • Natürliche Reinigungsmittel (Bioladen)
  • Neue Möbel aus Holz mit Natur-Ölen oder Farben kaufen
  • Natürliche Farben für die Wohnung verwenden
  • Natürliche Düfte verwenden
  • Kleidung aus Naturfastern kaufen

Dass hört sich erst einmal nach vielen Umstellungen an. Aber es gibt gerade im Bio-Bereich, viele tolle Produkte als Alternative. Edelstahl-Flaschen und Brotboxen, Wachstücher statt Frischhaltefolie und vieles mehr.

In der Praxis und in Seminaren stelle ich ein Entgiftungsprogramm vor, wodurch der Körper diese unerwünschten Stoffe leichter wieder loswerden kann.

Insgesamt führt eine solche Umstellung aber auch dazu, dass dieser Planet mit weniger Plastikmüll versaut wird, dass durch Bio-Anbau die Qualität der Böden gefördert wird und der Co2 Ausstoß weniger wird. Das kommt am Ende den Kindern zugute, die ihr in die Welt setzen wollt.

unsplash-logoDana DeVolk
 

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